Wie Gottes Arbeitsamt Karriere macht

Icon__btn_Recht_grossEine Pfarrgemeinde als Sozialunternehmen? Das gibt es. In Stollberg im Erzgebirge hat Pfarrer Andreas Dohrn Deutschlands erste christliche Arbeitsvermittlung aufgebaut. Ehemalige Langzeitarbeitslose versorgen christliche Arbeitgeber der Region passgenau mit christlich motivierten Arbeitskräften. „Gottes Arbeitsamt“, wie die ZEIT das Konzept einst nannte, funktioniert derart erfolgreich, dass Dohrn sein Konzept bundesweit als Franchisemodell verbreitete.

 

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Sie vermarkten Ihr Konzept gegen eine Gebühr an Franchisepartner. Von einer Pfarrgemeinde sollte man eigentlich erwarten, dass sie ihre Erfahrungen kostenlos weitergibt?

 Wenn ich wüsste, dass die Übertragung dann besser funktioniert, würde ich das Modell gern verschenken. Es geht nicht ums Geld, sondern um die maximale Wirkung. Wir betreiben Arbeitsvermittlung auf professionellem Niveau. Wir schließen Verträge mit Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Es gibt viele Rechtsvorschriften. Und es geht um Existenzen. Da ist es einfach wichtig, dass Qualitätsstandards definiert, genau beachtet und gemeinsam weiterentwickelt werden. Das gewährleistet nur ein Franchisesystem.

 

Inzwischen haben Sie vier Franchisepartner gewonnen. Wie sind Sie vorgegangen?

Wir haben ein umfassendes Franchisehandbuch entwickelt. Da steckt unser ganzes Wissen drin. Für unsere Franchisenehmer bietet es einen exakten Leitfaden für den Aufbau und die tägliche Arbeit. Es enthält alles: von der Einladung über die Eröffnungsfeier bis zu den Vertragsmustern für die Zusammenarbeit mit Arbeitgebern und Arbeitsuchenden.

 

War es schwierig, Ihr Erfahrungswissen derart zu bündeln und aufzubereiten?

Ja, das ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Aber sie hilft nicht nur bei der Verbreitung des Modells. Die Arbeit am Franchisehandbuch lässt uns auch selbst besser werden. Sie zwingt einen dazu, alles wegzulassen, was mit bestimmten Personen oder regionalen Besonderheiten zu tun hat. Wer ein Übertragungshandbuch schreibt, schält die stabilen Kerne des eigenen Projekts heraus.

 

Finanzieren Sie sich über die Franchisegebühren?

Nein, wir hier in Stollberg finanzieren uns aus dem Erfolg der eigenen Arbeit vor Ort. Die Franchiseeinnahmen fließen voll in die Weiterentwicklung des Konzepts und in die Infrastruktur, die alle Partner gemeinsam nutzen.

 

Das klingt alles nicht sehr nach Kirche …

Und ob! Kirche ist das wahrscheinlich älteste Social-Franchise-Modell der Welt. Und auf 2000 Jahre betrachtet, sogar ein ziemlich erfolgreiches.

 

Link: www.ecav.de

 

Pfarrer Dohrn im openTransfer-Interview:


 

 

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